Warum so mancher Abiturient auswandert

Nicht jeder deutsche Bürger ist zufrieden mit den Zuständen, die hierzulande herrschen. Unter anderem deshalb wandern immer mehr Menschen aus. Im Jahr 2018 waren es mehr als 260.000 deutsche Staatsbürger, die Deutschland auf Dauer verlassen haben. Ähnlich viele waren es auch in den Jahren davor. Nicht wenige Auswanderer sind jung und haben gerade ihren Schulabschluss gemacht. Sie haben ihr gesamtes Berufsleben vor sich und viele Gründe zum Auswandern. So wollen sie etwa eine Sprache lernen und die Kultur eines anderen Landes in sich aufsaugen. Oder sie haben übers Internet einen Partner kennengelernt, der im Ausland lebt und mit dem sie zusammenziehen wollen.

Die meisten Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie sich von einem anderen Land bessere berufliche Aussichten erwarten. In vielen Fällen sind die Löhne im Ausland höher als in Deutschland, manchmal gibt es in einem bestimmten Berufsfeld hierzulande einfach nicht genug Jobs. Auch wer seine Berufsausbildung nach dem Abitur fortsetzen will, könnte dafür eine Universität im Ausland wählen. Schließlich sind die deutschen Unis nicht gerade dafür bekannt, die besten der Welt zu sein. Zwar befindet sich die Ludwig-Maximilians-Universität in München laut einer aktuellen Studie des Magazins „Times Higher Education“ auf Platz 32 der weltweiten Rangliste. Die Spitzenplätze nehmen dagegen die Universität von Oxford, das California Institute of Technology und die Uni von Cambridge ein. Grund genug also für viele Abiturienten, nach Großbritannien oder in die USA zu gehen.

Die bereits eingangs erwähnte Unzufriedenheit mit Deutschland muss nicht unbedingt mit der Politik oder den mangelnden Aussichten auf einen Job verbunden sein. Es können auch Gründe wie die Mentalität der Menschen oder das mäßige Wetter dafür verantwortlich sein. Wer stets freundliche Menschen um sich herum haben will, der könnte es vorziehen, nach Kanada auszuwandern, und wer warmes Klima braucht, den zieht es in Richtung Süden. InterNations, ein soziales Netzwerk für Auswanderer, stellte fest, dass 78 Prozent aller Menschen, die ihrer Heimat auf Dauer den Rücken kehren, an ihrem neuen Wohnort glücklich sind. Lediglich zehn Prozent der befragten Auswanderer gaben an, dass sie in ihrer Wahlheimat nicht ihr Glück gefunden haben. Vielleicht hilft also ein radikaler Tapetenwechsel, um dem ungeliebten Alltag in Deutschland zu entkommen.

Wie bei so vielen anderen Aspekten des Lebens spielt auch beim Auswandern das Geld eine wichtige Rolle. Selbst wenn kein lukrativer Job im Ausland lockt, kann sich der Umzug in einen anderen Staat lohnen. Als Single zahlt man in Deutschland nämlich fast 40 Prozent seines Lohnes in Form von Steuern und Abgaben an den Staat zurück. Damit haben Deutsche im Vergleich mit den anderen Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) fast 15 Prozent weniger von dem Geld, das sie durchs Arbeiten verdienen. Das Auswandern in ein Land, in dem die Lohnsteuer deutlich geringer ist, ist also nur konsequent.

Der Schritt ins Ausland muss jedoch nicht endgültig sein. Schließlich breitet sich der Trend vom Gap Year immer weiter aus. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um ein Jahr, das eine Lücke füllt, etwa nach dem Schul- oder Studienabschluss und vor Beginn des ersten Jobs. Das Gap Year als Auswanderung auf Zeit kann sich aus den genannten Gründen durchaus lohnen.

schulferien.eu
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