Ligurien mit Kindern: Strände, Orte, Anreise und Reisezeit
Ans Mittelmeer, ohne zu fliegen und ohne zwingend eine Zwischenübernachtung: Vor allem aus Süddeutschland gehört Ligurien zu den Küstenregionen, die an einem Tag mit dem Auto erreichbar sind. Wir waren selbst dort — in der Elternzeit, mit zwei Kindern von acht Monaten und vier Jahren.
Was wir dabei gelernt haben: Über einen entspannten Ligurien-Urlaub entscheidet weniger die Entfernung als die Frage, wo genau ihr unterkommt. Parkplatz, Hanglage und die Wahl zwischen Ost- und Westküste machen mit Kindern den Unterschied.


Anreise: wie lange ihr wirklich unterwegs seid
Ligurien ist die schmale Küstenregion zwischen der französischen Grenze und der Toskana, mit Genua als Hauptstadt der Region. Die Küste kennt ihr vielleicht unter ihrem anderen Namen: italienische Riviera.
Grobe Entfernungen bis Genua — Luftlinie hilft hier wenig, weil die Alpen dazwischenliegen:
- München — rund 600 km
- Stuttgart — rund 700 km
- Frankfurt — rund 850 km
- Köln — rund 1.000 km
Rechnet auf die reine Fahrzeit eures Routenplaners mit Kindern anderthalb bis zwei Stunden Puffer. Aus Köln oder weiter nördlich ist eine Zwischenübernachtung die bessere Wahl als eine Zwölf-Stunden-Etappe.
Das sind Orientierungswerte, keine Ankunftszeiten. Ferienverkehr, Baustellen, Mautstationen und Staus vor den Alpentunneln können die Fahrt deutlich verlängern. Welche Route für euch sinnvoll ist, hängt vom Startort ab — nicht jede führt über den Gotthard. Für die Schweizer Transitstrecken braucht ihr eine Vignette, in Italien wird die Maut streckenweise abgerechnet.
Wann ihr überhaupt losfahren könnt, hängt am Ferienbeginn eures Bundeslands: die Termine für alle 16 stehen in der Übersicht der deutschen Schulferien. Wer der Blechlawine ausweichen will, schaut vorher in die Feriendichte — dort seht ihr, an welchen Tagen besonders viele Länder gleichzeitig starten. Und gegen die Langeweile auf der Rückbank haben wir Spiele für unterwegs gesammelt.
Welcher Teil Liguriens passt zu euch?
Die Küste ist gut 300 Kilometer lang und keineswegs überall gleich. Diese Entscheidung solltet ihr vor der Unterkunftssuche treffen:
| Abschnitt | Gut für | Was ihr bedenken solltet |
|---|---|---|
| Westen — etwa Diano Marina und Alassio | Sandstrände, längere Badetage, jüngere Kinder | viele kostenpflichtige Strandbäder; im Sommer volle Parkplätze |
| Genua | Aquarium, Altstadt, Schlechtwettertage | Verkehr und enge Innenstadt; kein klassischer Badeort |
| Osten — etwa Rapallo und der Golfo del Tigullio | Cinque Terre, Bootsausflüge, Promenaden und Wandern | kleinere Kies- und Felsstrände, Steigungen und im Sommer viel Andrang |
Wenn ihr mit kleinen Kindern möglichst unkompliziert an den Strand wollt, schaut euch Diano Marina und Alassio an. Beide Orte liegen an der westlichen Riviera und besitzen lange Sandstrände mit vergleichsweise flach abfallendem Wasser. Viele Abschnitte werden allerdings als kostenpflichtige Strandbäder betrieben. Wenn euch ein freier Strand wichtig ist, prüft dessen Lage vor der Buchung der Unterkunft.
Als Faustregel gilt: Die größte Auswahl an längeren Sandstränden findet ihr im Westen. Im Osten dominieren kleinere Kies-, Fels- und gemischte Strandabschnitte, es gibt aber Ausnahmen. Wer mit Kleinkind vor allem baden will, findet im Westen meist die einfacheren Bedingungen. Wer Portofino, Rapallo und die Cinque Terre sehen möchte, bleibt im Osten — und packt sicherheitshalber Badeschuhe ein.
Zahlreiche ligurische Badeorte tragen die Blaue Flagge. Bewertet werden unter anderem Wasserqualität, Umweltmanagement, Sicherheit und Service. Die Auszeichnung wird jährlich neu vergeben; schaut deshalb nach, welche Strände sie im jeweiligen Reisejahr tragen.
Wo wir waren: Rapallo und der Golfo del Tigullio
Wir hatten uns für Rapallo entschieden, im Golfo del Tigullio östlich von Genua. Der Ort hat eine Promenade und liegt genau zwischen den Zielen, die man dort sehen will. Die Strände sind allerdings kleiner und kieselig — ein Sandburgen-Urlaub wird das nicht.
Von Rapallo aus sind wir mit dem Boot los: nach San Fruttuoso mit seiner Abtei direkt am Wasser, weiter nach Portofino und Santa Margherita Ligure. Für uns war das der schönste Weg, diese Küste kennenzulernen. San Fruttuoso ist nicht mit dem Auto erreichbar; ihr kommt nur zu Fuß oder per Schiff hin.
Unsere Erfahrung mit Kinderwagen: In Rapallo und auf den Promenaden der Nachbarorte kamen wir mit dem Wagen überall durch. An den Bootsanlegern und in engen Gassen war das Baby im Tragetuch aber deutlich entspannter. Für unseren Ausflug in die Cinque Terre war die Trage ebenfalls die bessere Wahl.
Beste Reisezeit: Mai ist keine Badegarantie
Im Mai ist das Meer in Ligurien meist noch frisch. Gegen Monatsende kann es ungefähr 20 Grad erreichen, verlassen solltet ihr euch darauf nicht. Im Juni wird Baden deutlich angenehmer, im Juli und August liegt das Wasser häufig bei etwa 24 bis 26 Grad. Anfang Oktober geht Baden oft noch, gegen Monatsende werden Wetter und Wassertemperatur unbeständiger.
Ob das „badetauglich“ ist, hängt stark vom Kälteempfinden ab. Für Kleinkinder sind 18 bis 20 Grad eher zum Planschen als für einen langen Badetag.
Wir waren Ende April dort und sind tatsächlich ins Wasser gegangen — allerdings mit zusammengebissenen Zähnen. Unser sehr subjektiver Maßstab: Wer kühles Ostseewasser gewohnt ist, schafft vermutlich auch ein kurzes Bad im ligurischen Frühling. Für einen entspannten Badetag mit kleinen Kindern war uns das Meer noch zu kalt.
Für Ausflüge sind die Pfingstferien und frühe Herbstferien oft eine gute Zeit: Es ist meist weniger voll als im Hochsommer, und Unterkünfte können günstiger sein. Wenn der Badeurlaub im Mittelpunkt steht, ist der Juni verlässlicher als der Mai. Im Herbst gilt: Je später die Ferien liegen, desto stärker schwanken Wetter und Wassertemperatur.
Ab dem Frühjahr nimmt der Andrang in Portofino und den Cinque Terre deutlich zu. An Wochenenden, Feiertagen und Tagen mit vielen Ausflugsgästen kann es schon vor der Hauptsaison sehr voll werden.
Genua und Cinque Terre mit Kindern
Das Aquarium von Genua gehört zu den größten Europas und rettet jeden Regentag. Rechnet mit mehreren Stunden und kauft die Tickets vorab — die Schlange am Eingang ist der unangenehmste Teil.
Die Cinque Terre erreicht ihr am entspanntesten mit dem Zug: Alle fünf Dörfer liegen an derselben Bahnstrecke. Die Zufahrten mit dem Auto sind umständlich und die Parkplätze stark begrenzt. Für einen Tagesausflug lasst ihr das Auto am besten in La Spezia oder Levanto stehen und fahrt mit dem Zug weiter.
Die Wanderwege zwischen den Dörfern sind für Kinderwagen nicht geeignet. Auch Bahnhöfe, Treppen und steile Gassen können anstrengend werden. Mit Buggy solltet ihr euch auf einzelne Orte beschränken, die Zugänge vorher prüfen und möglichst ein leichtes, faltbares Modell mitnehmen. Wir hatten unser acht Monate altes Baby im Tragetuch. Im Zug, an Treppen und in den engen Gassen war das für uns die richtige Entscheidung.
Was uns am Bahnhof passiert ist: Am Fahrkartenautomaten kamen wir nicht weiter und fanden zunächst auch auf Englisch keine Hilfe. Schließlich erklärte uns ein anderer Reisender alles auf Deutsch. Heute würden wir die Verbindung vorher bei Trenitalia heraussuchen und das Ticket möglichst schon vor dem Ausflug klären.
Hotel oder Ferienwohnung?
Beides funktioniert, mit unterschiedlichen Stärken:
| Unterkunft | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Ferienwohnung | Küche, mehr Platz, freie Essenszeiten | Endreinigung, Schlüsselübergabe, weniger Service |
| Hotel | Frühstück, Rezeption, praktisch für kurze Aufenthalte | weniger Platz, Familienzimmer teils teuer |
Drei Dinge zählen in Ligurien mehr als die Sterne:
- Parkplatz am Haus. In den Küstenorten ist Parken die größte Zumutung. Ein eigener Stellplatz spart jeden Tag Nerven.
- Wie steil der Weg zum Strand ist. „Fünf Minuten zum Strand“ heißt hier oft fünf Minuten bergab — und abends wieder hinauf, mit müdem Kind auf dem Arm. Die Kartenansicht mit Höhenlinien verrät mehr als die Beschreibung.
- Klimaanlage, wenn ihr im Juli oder August fahrt.
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Was ins Gepäck gehört, steht in unserer Packliste für den Strandurlaub — Badeschuhe nicht vergessen, wenn ihr im Osten bleibt.

Bootsausflüge: was buchbar ist
Die Route unserer eigenen Fahrt — San Fruttuoso, Portofino und Santa Margherita Ligure — wird auch in ähnlicher Form als geführter Ausflug angeboten. Die folgenden Angebote haben wir nicht persönlich getestet. Bei der Auswahl haben wir deshalb nur auf Route, Abfahrtsort und Dauer geachtet. Prüft vor der Buchung selbst, ob Mindestalter, Ausstattung und Ablauf zu euren Kindern passen.
- Portofino und San Fruttuoso, kurze Runde* — ab Portofino, rund 1,5 Stunden. Wegen der kürzeren Dauer eher für einen Familienausflug geeignet als eine Ganztagestour; Mindestalter und Ausstattung vorab prüfen.
- Camogli, San Fruttuoso und Portofino als Ganztagestour* — ab Genua, ein ganzer Tag. Für Kleinkinder dürfte das sehr lang sein. Mit älteren Kindern kann die Tour passen, wenn sie Bootstage und längere Ausflüge gewohnt sind.
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Prüft vor der Buchung, ob es Schattenplätze und Toiletten an Bord gibt, welche Schwimmwesten vorhanden sind und ob ein Kinderwagen mitgenommen werden darf. Bei ungünstigem Wetter oder starkem Seegang können Fahrten ausfallen. Wenn ihr mehrere Urlaubstage vor Ort habt, legt einen Bootsausflug besser an den Anfang der Reise — dann bleibt bei einer Absage noch ein möglicher Ersatztermin.
Mit der Fähre weiter nach Sardinien
Von Genua und Savona fahren Fähren nach Sardinien. Praktisch, wenn ihr mit dem eigenen Auto weiterreisen wollt. Je nach Zielhafen und Reederei dauert die Überfahrt häufig etwa zehn bis zwölf Stunden; Nachtverbindungen sparen eine Hotelübernachtung, eine Kabine solltet ihr mit Kindern aber früh reservieren — einen Schlafsessel würden wir für eine Nachtfahrt mit Kleinkind nicht empfehlen.
Fahrpläne ändern sich saisonal. Prüft vor der Buchung Zielhafen, Einschiffungszeit und ob Kabine oder Babybett verfügbar sind. Auf das Fahrzeugdeck kommt ihr während der Überfahrt meist nicht — Medikamente, Windeln, Wechselkleidung und Snacks gehören ins Handgepäck.
Häufige Fragen
Welcher Ort in Ligurien eignet sich mit kleinen Kindern?
Für einen klassischen Badeurlaub mit kleinen Kindern sind Diano Marina und Alassio gute Ausgangspunkte: Dort findet ihr längere Sandstrände und vergleichsweise flach abfallendes Wasser. Viele Abschnitte sind allerdings kostenpflichtige Strandbäder. Wenn Ausflüge nach Portofino und in die Cinque Terre wichtiger sind als Sandstrand, ist die östliche Riviera interessanter.
Gibt es in Ligurien Sandstrände?
Ja. Die größte Auswahl an längeren Sandstränden findet ihr an der westlichen Riviera, beispielsweise in Alassio und Diano Marina. Im Osten dominieren kleinere Kies-, Fels- und gemischte Strandabschnitte, es gibt aber Ausnahmen.
Wie lange fährt man mit Kindern nach Ligurien?
Aus Süddeutschland ist Genua an einem Tag machbar, aus der Mitte wird es lang, aus dem Norden solltet ihr eine Zwischenübernachtung einplanen. Auf die Routenplaner-Zeit anderthalb bis zwei Stunden Puffer für Pausen rechnen.
Braucht man in Ligurien ein Auto?
Ein Auto ist praktisch, aber nicht zwingend. Viele Küstenorte sind per Bahn verbunden, und für die Cinque Terre ist der Zug ohnehin die bessere Wahl. Wenn ihr mit dem Auto anreist, ist ein reservierter Stellplatz an der Unterkunft besonders wertvoll.
Sind die Cinque Terre mit Kinderwagen geeignet?
Die Wanderwege zwischen den Dörfern sind für Kinderwagen nicht geeignet. In den Orten selbst kommt ihr streckenweise durch, müsst aber mit Treppen, steilen Gassen und vollen Bahnsteigen rechnen. Für unseren Ausflug mit einem acht Monate alten Baby war das Tragetuch deutlich praktischer als der Kinderwagen.
Kann man im April oder Mai in Ligurien baden?
Möglich ist es, angenehm muss es nicht sein. Wir waren Ende April kurz im Wasser, für einen längeren Badetag mit kleinen Kindern war es aber noch zu kalt. Im Mai kann das Meer gegen Monatsende ungefähr 20 Grad erreichen. Für einen klassischen Familienbadeurlaub ist der Juni die verlässlichere Untergrenze.
Für wen Ligurien passt
Ligurien ist stark, wenn ihr nicht fliegen wollt, gern selbst fahrt und mehr sucht als nur Strand: Bootsfahrten, Altstädte, Wanderwege und die Dörfer der Cinque Terre liegen dicht beieinander.
Weniger passend ist die Region, wenn ihr einen klassischen Sandstrand-Urlaub mit flachem Wasser sucht und dafür keine Kompromisse machen wollt — dann seid ihr an der oberen Adria oder in Apulien besser aufgehoben. Und wenn kleine Kinder mitfahren, entscheidet die Ortswahl mehr über den Urlaub als die Region: Der Westen ist zum Baden gemacht, der Osten zum Schauen.
Ein weiteres italienisches Ziel, das sich mit dem Auto gut erreichen lässt, haben wir uns in Ferien in Umbrien angesehen.





