Regentage in den Ferien: der 3-Stufen-Plan für Familien
Es gibt diesen einen Moment in fast allen Ferien: Ihr zieht morgens die Vorhänge auf, draußen ist alles grau, und der Plan für heute war eigentlich „raus“. Bei uns fällt in so einem Moment zuverlässig der Satz „Mir ist langweilig“ — und zwar bevor der erste Kaffee durch ist.
Regentage sind nicht das Problem. Das Problem ist, dass niemand vorbereitet ist. Wer drei Ideen im Kopf hat, kommt durch so einen Tag deutlich entspannter als jemand, der um zehn Uhr anfängt zu googeln. Hier stehen die Ideen — sortiert danach, wie viel Vorbereitung, Energie und Fahrt ihr heute investieren wollt.

Warum Regentage in den Ferien besonders zäh sind
An einem normalen Schultag merkt niemand, dass es regnet — der Tag ist ohnehin verplant. In den Ferien fehlt diese Struktur. Der Regen nimmt euch dann nicht nur eine Aktivität weg, sondern den ganzen Rahmen, an dem der Tag hängt.
Dazu kommt: Alle anderen haben dasselbe Problem. Hallenbäder, Indoorspielplätze und Museen sind an Regentagen in den Ferien voll, und zwar spürbar. Wer erst mittags losfährt, steht an der Kasse in der Schlange, die vorher niemand eingeplant hat.
Und der dritte Punkt, den man leicht unterschätzt: Ein Regentag zieht sich vor allem dann, wenn er als Ausfall behandelt wird. Ein Tag, der von vornherein als Regentag geplant ist, fühlt sich für alle Beteiligten völlig anders an.

Was in welchem Alter meistens funktioniert
Die Stufen sagen etwas über den Aufwand, aber nichts über das Alter. Grobe Orientierung — Interessen und Belastbarkeit unterscheiden sich stärker als Jahrgänge:
| Alter | Funktioniert oft gut | Wird schnell zu viel |
|---|---|---|
| 2–4 Jahre | Höhle, Kneten, Pfützen, kurzes Hörspiel | lange Autofahrt, ganzer Museumstag |
| 5–8 Jahre | Schnitzeljagd, Backen, Wasserexperimente, Naturkundemuseum | lange Führungen ohne Bewegung |
| 9–12 Jahre | Brettspiele, eigene Projekte, Technikmuseum, Schwimmbad | Beschäftigungsideen für Kleinkinder |
| ab 13 Jahren | gemeinsam kochen, Filmprojekt, Strategiespiel, selbst gewählter Ausflug | ein von Eltern durchgeplanter Tag |
Stufe 1: Was ohne jede Vorbereitung funktioniert
Diese Ideen brauchen nichts, was ihr nicht ohnehin zu Hause habt. Sie sind für den Moment gedacht, in dem der Tag gerade kippt.
- Die Höhle. Decken, Stühle, Wäscheklammern. Klingt banal, hält aber bei jüngeren Kindern erstaunlich lange — vor allem, wenn drin gegessen werden darf. Die Konstruktion stabil halten und keine heißen Getränke oder echten Lichtquellen hineinstellen.
- Backen, bei dem geknetet wird. Nicht Rührteig, sondern Mürbeteig oder Pizzateig. Das Kneten und Ausstechen ist die eigentliche Beschäftigung, nicht das Essen. Bei kleinen Kindern bleibt ein Erwachsener dabei — wegen Backofen, rohem Teig und möglicher Allergien.
- Hörspiel an, Hände frei. Die unterschätzteste Kombination überhaupt: Hörspiel läuft, dabei wird gebaut, gemalt oder gepuzzelt. Funktioniert bei Kindern, die für „einfach nur zuhören“ zu zappelig sind.
- Schnitzeljagd durch die Wohnung. Ein paar Hinweise, ein kleiner Fund am Ende. Die Vorbereitung dauert nur wenige Minuten, die Suche meist deutlich länger.
- Schatzsuche in der Spielzeugkiste. Lego, Sammelkarten oder ältere Spielsachen gemeinsam durchsehen und Verschollenes wiederentdecken. Wenn daraus Aufräumen wird, ist die Idee allerdings schnell vorbei.
- Und dann: Langeweile aushalten. Nicht jede leere Stunde muss gefüllt werden. Die besten Ideen unserer Kinder kamen bisher immer aus einer Viertelstunde, in der niemand einen Vorschlag gemacht hat.
Mehr in diese Richtung — inklusive der Ideen, die über mehrere Tage tragen — steht in unserem Artikel über Ferien zu Hause mit Kindern.
Stufe 2: Raus, obwohl es regnet
Der wichtigste Satz zuerst: Nieselregen ist kein Grund, drinnen zu bleiben. Bei Gewitter, Sturm, Hochwasserwarnung oder herabfallenden Ästen gilt das natürlich nicht — prüft im Zweifel die Warnlage und die Bedingungen vor Ort. Bei normalem Regen machen Regenhose und Gummistiefel aus einem ausgefallenen Spaziergang oft erst das eigentliche Ferienerlebnis.
- Pfützen suchen statt umgehen. Wenn die Regenhose ohnehin an ist, entfällt der einzige Grund, warum das sonst verboten ist.
- Wasser umleiten und kleine Dämme bauen. Am flachen Bachlauf, in einer großen Pfütze oder an einer ungefährlichen Stelle mit Erde, Stöcken und Laub experimentieren. Nicht am Straßenrand, nicht in Abläufen und nicht bei starkem Wasserstand.
- Wald bei normalem Regen. Unter dem Blätterdach kommt bei leichtem Regen weniger an, und der Wald riecht besonders intensiv. Bei Sturm, Gewitter oder Warnungen vor herabfallenden Ästen bleibt ihr draußen aus dem Wald. Danach gehören trockene Sachen und eine warme Dusche mit zum Ausflug.
- Schwimmbad. Bei normalem Regen ist ein Freibad oft angenehm leer, weil ohnehin alle nass werden. Bei Gewitter ist Schwimmen keine Option; prüft deshalb Wetterlage und Öffnungsstatus. Für Dauerregen ist ein Hallenbad verlässlicher, in den Ferien allerdings häufig voll.
- Bauernhof oder Wildpark in der Nähe. Bei leichtem Regen sind Wege und Spielbereiche oft leerer als an Sonnentagen. Prüft vorher, ob der Betrieb geöffnet ist und welche Bereiche wetterbedingt nutzbar sind. Feste Schuhe und komplette Wechselsachen sind wichtiger als bei einem normalen Besuch.
Was ihr dafür braucht, ist überschaubar: Regenjacke, Regenhose, wasserdichte Schuhe, Wechselsachen im Auto. Die vollständige Liste steht in unseren Packlisten.

Stufe 3: Ziele, für die sich die Fahrt lohnt
Wenn der Regentag absehbar ist — Wetterbericht am Vorabend — lohnt sich der größere Plan. Der Vorteil: Ihr bucht in Ruhe, statt an der Kasse zu stehen. Der Nachteil: Ihr müsst euch festlegen.
Die folgenden Ziele haben wir nicht alle persönlich besucht. Prüft vor der Buchung direkt beim Ausflugsziel Öffnungszeiten, Altersregeln, Barrierefreiheit und den Leistungsumfang des verlinkten Tickets.
- Tropical Islands, Brandenburg* — tropische Badelandschaft unter einer großen Halle mit Strand- und Rutschenbereichen. Ein Ziel für einen ganzen Tag; prüft vorab Öffnungszeiten, enthaltene Bereiche und die Regeln für Kinder.
- Technik Museum Sinsheim mit IMAX-Kino* — Concorde und Tupolew stehen dort im Freigelände, dazu Fahrzeuge, Lokomotiven und weitere Technikbereiche. Das Museum selbst empfiehlt drei bis vier Stunden; Technikfans bleiben auch einen ganzen Tag. Kinder unter fünf Jahren zahlen keinen Eintritt. Einige begehbare Großexponate sind nicht barrierefrei.
- Deutsches Museum, München* — eines der größten Technik- und Wissenschaftsmuseen Deutschlands. Wegen der laufenden Modernisierung ist die zweite Gebäudehälfte seit 2022 geschlossen, darunter das bekannte Bergwerk; abgeschlossen sein soll der Umbau 2028. Offen sind unter anderem das Kinderreich (für Kinder von etwa drei bis acht), Luft- und Raumfahrt sowie Robotik. Prüft vor dem Besuch, welche Ausstellungen geöffnet sind.
- Museum für Naturkunde, Berlin* — die großen Dinosaurierskelette im Lichthof sind ein starker Einstieg für Kinder. Prüft vorab, welche Ausstellungen geöffnet sind und wie viel Zeit zum Alter eurer Kinder passt.
- Sea Life München* — laut Betreiber besonders auf Kinder zwischen etwa drei und elf Jahren ausgerichtet und eher ein halber als ein ganzer Tag. In den Ferien solltet ihr ein Zeitfenster vorab buchen. Sperrige Kinderwagen, Bollerwagen und Fahrradanhänger sind an Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien nicht erlaubt; auch ein kleiner Buggy kann auf den engen Wegen unpraktisch sein.
* Affiliate-Link: Wenn ihr darüber bucht, erhalten wir eine Provision. Für euch ändert sich der Preis nicht.
Das ist bewusst nur eine Auswahl. Was bei euch in Reichweite liegt, steht in unseren Ausflugsziel-Sammlungen — je 50 Ziele pro Bundesland, mit Filter für Indoor und Museum:
Baden-Württemberg · Bayern · Berlin · Brandenburg · Bremen · Hamburg · Hessen · Mecklenburg-Vorpommern · Niedersachsen · Nordrhein-Westfalen · Rheinland-Pfalz · Saarland · Sachsen · Sachsen-Anhalt · Schleswig-Holstein · Thüringen
Zwei Regeln für Indoor-Ziele in den Ferien
Erstens: Randzeiten prüfen. Zur Öffnung ist es in vielen Museen und Aquarien ruhiger als mitten am Tag. Eine weitere Möglichkeit sind die letzten zwei bis drei Stunden vor der Schließung — vorausgesetzt, die Zeit reicht für den gewünschten Besuch. Verlasst euch nicht auf eine allgemeine Uhrzeit, sondern schaut nach den Besuchshinweisen und Auslastungsanzeigen des jeweiligen Hauses.
Zweitens: Verfügbarkeit vor der Abfahrt prüfen. Einige Häuser arbeiten mit datierten Tickets oder festen Zeitfenstern. An Regentagen in den Ferien können beliebte Termine ausgebucht sein. Prüft Ticket, Öffnungszeit und mögliche wetterbedingte Einschränkungen, bevor ihr losfahrt.
Der Regentag-Vorrat
Der ehrlichste Tipp in diesem Artikel ist der langweiligste: Legt euch etwas zurück, bevor ihr es braucht. Eine Kiste, die nur an Regentagen aufgemacht wird, funktioniert besser als jede spontane Idee — weil sie neu ist.
- Ein Brettspiel, das noch niemand kennt
- Ein Bastelset, das ihr nicht sofort auspackt
- Eine Packung Knete oder Salzteig-Zutaten
- Ein Hörspiel, das noch nicht durchgehört ist
- Zutaten für etwas Gebackenes, das ohne Einkaufen geht
Der Punkt ist nicht das Material. Der Punkt ist, dass ihr am Regentag nichts mehr besorgen müsst.
Regentage im Urlaub
Unterwegs ist die Lage anders: Die Wohnung ist fremd, das Spielzeug ist zu Hause, und der Tag ist teuer bezahlt. Drei Dinge haben uns dabei besonders geholfen:
Ein Indoor-Ziel als Reserve. Sucht vor der Reise oder spätestens am ersten Urlaubstag heraus, was bei Regen infrage kommt — Aquarium, Museum, Therme oder etwas anderes Wetterunabhängiges. Speichert Adresse, Öffnungszeiten und Ticketseite, damit ihr später nicht wieder von vorn suchen müsst.
Etwas Kleines im Koffer. Ein Kartenspiel und ein Block Papier wiegen wenig und retten einen halben Nachmittag.
Die Erwartung senken. Ein Regentag im Urlaub ist kein verlorener Tag, sondern ein ruhiger. Wir haben auf Lanzarote genau einen davon gehabt — und der ist uns hinterher stärker in Erinnerung geblieben als der dritte Strandtag. Wie so ein Urlaub sonst aussieht, steht in unserem Artikel über Lanzarote mit Kindern.
Was bei uns nicht funktioniert hat
Solche Listen enthalten fast immer nur Erfolge. Bei uns sind aber auch einige Pläne regelmäßig gekippt:
Der komplett durchgeplante Regentag. Ein Stundenplan von morgens bis abends erzeugte mehr Druck als Entlastung. Drei Möglichkeiten im Hinterkopf funktionierten besser als zwölf Pflichtpunkte auf einem Zettel.
Basteln mit einem vorgegebenen Ergebnis. Sobald etwas „schön werden“ sollte, wurde aus Spielen eine Aufgabe. Freies Kneten, Matschen und Ausschneiden hielt bei unseren Kindern länger.
Der große Ausflug als Notfallrettung. Wenn alle schon müde oder gereizt waren, half eine lange Autofahrt zu einem vollen Museum selten. Dann war eine kleine Idee aus Stufe 1 für uns die bessere Wahl.
Häufige Fragen
Was kann man an einem Regentag mit Kindern machen?
Ohne Vorbereitung funktionieren eine Höhle aus Decken, gemeinsames Kneten oder Backen, ein Hörspiel beim Bauen und eine kleine Schnitzeljagd durch die Wohnung. Bei normalem Regen kann ein Spaziergang mit Regenkleidung die bessere Idee sein. Bei Gewitter, Sturm oder anderen Warnlagen bleibt ihr drinnen. Für einen ganzen Tag eignen sich Museen, Aquarien und Schwimmbäder, wenn ihr Öffnung und Tickets vorher prüft.
Wie beschäftigt man Kinder bei Dauerregen mehrere Tage lang?
Wechselt zwischen den drei Stufen, statt jeden Tag dasselbe zu planen: einmal zu Hause bleiben, einmal mit Regensachen rausgehen und einmal ein größeres Ausflugsziel ansteuern. Ein kleiner Vorrat, der nur an Regentagen geöffnet wird, sorgt zusätzlich für etwas Neues. Es ist aber auch in Ordnung, wenn ein Nachmittag ohne Programm bleibt.
Lohnt sich ein Indoor-Ziel in den Ferien überhaupt, oder ist es zu voll?
Ja, aber die Planung macht einen großen Unterschied. Zur Öffnung oder in den letzten Stunden vor der Schließung ist es häufig ruhiger als mitten am Tag. Prüft beim jeweiligen Haus, ob Zeitfenster, Auslastungsanzeigen oder datierte Tickets angeboten werden. Gerade an Regentagen in den Ferien solltet ihr die Verfügbarkeit vor der Abfahrt kontrollieren.
Was gehört an einem Regentag ins Gepäck?
Regenjacke, Regenhose und wasserdichte Schuhe, dazu Wechselsachen, ein kleines Handtuch und etwas zu trinken. Bei längeren Ausflügen sind trockene Socken besonders wertvoll. Vor Wald-, Freibad- oder Wildparkbesuchen solltet ihr zusätzlich Wetterwarnungen und den aktuellen Öffnungsstatus prüfen.
Das Wichtigste in einem Absatz
Ein Regentag wird nicht dadurch besser, dass man ihn wegorganisiert. Er wird besser, wenn ihr vorher entschieden habt, wie viel ihr heute investieren wollt: zu Hause bleiben, mit Regensachen rausgehen oder ein Ziel ansteuern. Alles drei kann ein guter Ferientag sein. Und manchmal ist auch ein Nachmittag ohne Plan genau das, was alle brauchen. Falls ihr gerade ohnehin plant: Die kommenden Termine stehen bei den Schulferien nach Bundesland.





